Nestor El Maestro: „Ich bin leider kein guter Trainer für den Plan B“

via Sky Sport Austria
  • El Maestro: „Ich bin im Fußball immer ein Niemand gewesen und alles an Akzeptanz musste ich mir durch Ahnung erarbeiten“
  • El Maestro über die Szenen nach der Mattersburg-Niederlage: „Das war schon ein bisschen peinlich“
  • El Maestro über Mirko Slomka: „ Er hat mich aus der totalen Anonymität zum Co-Trainer bei Schalke 04 gemacht“
  • Schopp über Reps Tormanneinsatz: „Ich konnte mich erinnern, dass Rajko manchmal nach den Trainingseinheiten im Tor gestanden ist“
  • Schopp über seine Hartberg-Zukunft: „Wenn ich spüre, dass das etwas ist, was mich und uns weiterbringt, dann ist nie etwas ausgeschlossen“
  • Slomka über El Maestro: „Er ist nicht nur speziell oder extrovertiert, sondern auch jemand, auf den man sich zu tausend Prozent verlassen kann“

Der Free-to-Air Montag auf Sky: Zu Gast bei „Talk & Tore“ mit den Themenschwerpunkten SK Puntigamer Sturm Graz und TSV Prolactal Hartberg waren Sturm-Trainer Nestor El Maestro und Hartberg-Coach Markus Schopp.

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(Trainer ):

…über die Szenen nach der Niederlage gegen Mattersburg: „Das gegen Mattersburg war schon ein bisschen peinlich. Und natürlich darf sich das nicht wiederholen – nicht nur wegen der Strafe auf Bewährung. Mir war das Interview peinlicher als das mit den Sachen durch die Gegend schießen. Das muss ich anders machen und ich glaube, bis heute ist es mir auch gelungen, dass das ein Einzelfall bleibt.“

…über die Wichtigkeit des anstehenden ,Derbys‘ gegen Hartberg: „Ich spiele ja die österreichische Bundesliga und nicht den Steiermark-Wettbewerb oder südliche Donau oder was auch immer. Mir kommt bei Sturm vor als wäre jedes Spiel ein Derby. (…) Ich persönlich versuche niemals den Spielen eine Hierarchie zu geben. (…) Für die Sturm-Fans gibt es nur ein Derby und das ist der GAK. Das Spiel am Samstag ist extrem wichtig für uns klarerweise – aber wie jedes andere.“

…über seine Schwächen als Trainer: „Ich bin leider kein guter Trainer für den Plan B. Ich glaube, ich habe meine Stärken, um – manchmal, häufig oder nicht häufig – das perfekte Spiel vorzubereiten. In der Analyse und in allem, was vor dem Geschehen auf dem Platz ist. Es gibt häufig Spiele, die genau nach meinem Plan ablaufen und damit ist das 1:0 sehr verbunden. Auf der anderen Seite habe ich großen Steigerungsbedarf, was das Handeln im Spiel selbst betrifft oder da, wo das Spiel jetzt nicht gerade zu meinen Gunsten läuft oder ich überrascht bin. Da bin ich ziemlich schlecht.“

…über Mirko Slomka, unter dem er jahrelang als Co-Trainer tätig gewesen ist und der am Sonntag bei Hannover 96 entlassen wurde: „Mirko hat mir am Sonntagmorgen eine SMS geschickt. Da stand drinnen: ,Manchmal läuft es nicht, Kopf hoch. Immer weiter. Du bist ein Guter.‘ Das sagt etwas über den Charakter dieser Person. Ich bin nicht sicher, ob er zu diesem Zeitpunkt schon wusste, dass es in Hannover nicht weitergeht, aber es war für ihn kein einfaches Wochenende. Er hat sich trotzdem gemeldet.“

…darüber, wie wichtig Slomka für seine Karriere gewesen ist: „Extrem. Sie müssen sich vorstellen, was er für mich getan hat: Er hat mich aus der totalen Anonymität zum Co-Trainer bei Schalke 04 gemacht. Ich war 23 und damals war das schon sehr außergewöhnlich. Das war vor der Zeit der jungen Trainer. Es gab keine Menschen mit diesem Alter, die auf diesem Niveau gearbeitet haben. Das war vor Nagelsmann, vor Tedesco – es war total außergewöhnlich. Es war natürlich ein riesen Karriereschub und ich habe versucht, das Vertrauen zurückzuzahlen. Ich glaube, wir haben acht Jahre zusammengearbeitet und dabei große Erfolge gefeiert. (…) Sicherlich haben mich diese acht Jahre mit Mirko geprägt – nicht nur wie ich den Fußball sehe oder die taktische Ausrichtung, besonders in der Trainingsarbeit. Mirko ist ein richtig, richtig guter Trainer auf dem Platz.“

…auf die Frage, ob es schwierig gewesen sei als 23-Jähriger die Akzeptanz von gestandenen Spielern zu bekommen: „Für mich nicht. Ich bin ja im Fußball immer ein Niemand gewesen und alles an Respekt oder Akzeptanz, was ich habe oder gehabt habe, musste ich mir durch Leistung, Fähigkeit oder einfach Ahnung erarbeiten. Und es war von vornherein wenig Problem.“

…über seine Spielphilosophie und ob Atletico Madrid unter Diego Simeone sein Vorbild sei: „Das System von Simeone ist insofern gut, weil es auf fast jedem Niveau einsetzbar ist. Das, was wir damals in der Slowakei gespielt haben, war sehr ähnlich. In Graz gibt es sicherlich einige Elemente, die man vergleichen könnte. Aber es ist nicht so nah.“

…über die Sturm-Fans: „Ich fühle mich sehr wohl. Ich finde, wir haben eine brillante Unterstützung. Das hat wenig mit mir zu tun, glaube ich, aber sie ist immer da. Auswärts ist es manchmal der Wahnsinn. Ich denke besonders zurück an die Pokalspiele gegen kleinere, unattraktivere Gegner – unfassbar, was da immer abgeht und in welcher Menge sie da zu den Spielen kommen. Es war auch ein Grund, warum ich so gerne nach Graz gekommen bin. Ich habe das früher auch da im Stadion miterlebt.“

…darüber, warum er sich trotz etwaiger anderer Möglichkeiten für den Fußball entschieden habe: „Oxford oder Cambridge waren natürlich nicht einfach, aber wenn man will, es war nicht unvorstellbar. Ich war in der Schule schon ein bisschen ein Streber. Also ich hatte auch ein großes Stipendium bei diesem teuren Internat, auf dem ich war. Die Entscheidung für den Fußball kam darum, weil mein Umfeld so war, dass wir es alle sehr gerne hatten. Es war immer eine große Leidenschaft und ich glaube, als Jugendlicher wollte ich immer in der Mitte des Geschehens sein. Wenn man so will: Darsteller und nicht Beobachter. Und Fußball kam mir da recht. Es war einfach außergewöhnlicher als der normale Weg.“

…auf die Frage, ob er bei Schalke nur deshalb gewesen sei, weil es ihn und seinen Bruder Nikon nur im Doppelpack gegeben hat: „Es war auf jeden Fall eine Verpflichtung im Doppelpack. Man kann vielleicht bei den Verantwortlichen fragen, wen sie in erster Linie wollten. Auf jeden Fall haben sie mir mit 23 den Job des Co-Trainers angeboten – also mindestens einer von uns hatte richtig was drauf.“

(Trainer ):

…über die Entscheidung, dass Rajko Rep nach dem Ausschluss von Swete ins Tor geht: „Es hat einige Anwärter gegeben. In der ersten Reaktion war Jürgen Heil derjenige, der von unserem Torwart-Trainer vorgeschlagen wurde. Und irgendwie habe ich aus dem Hintergrund noch gehört: ,Aber das ist schief gegangen.‘ Dann habe ich nachgefragt: ,Wie schief?‘ Er habe einige Tor bekommen in dem einen Spiel, in dem er im Tor war. Und dann konnte ich mich erinnern, dass Rajko manchmal nach den Trainingseinheiten im Tor gestanden ist. Ivo Vastic war auch jemand, der manchmal im Tor war und wenn er drinnen war, war er einfach eine Macht. Und das war dann so eine Eingabe und ich glaube, wir sind nicht ganz falsch gelegen mit der Entscheidung.“

…über Hartberg und seine mögliche Zukunft beim Verein: „Als im Sommer die Diskussion entstanden ist, ob ich in Hartberg weitermachen werde oder nicht, war es in meinen Gesprächen sehr wichtig, der sportlichen Führung klarzumachen, dass es wichtig ist, dass wir alle weiterwachsen. Dass das ein Prozess ist, der auf der einen Seite extrem spannend und unterhaltsam war in der letzten Saison, aber mein Bestreben ist es einfach, hier Möglichkeiten vorzufinden, um das Team wachsen zu lassen, uns als Trainerteam wachsen zu lassen und vor allem mich als Trainer wachsen zu lassen. (…) Klar ist, dass ich die Zeit in Hartberg extrem genieße. Ich glaube, dass da noch sehr viel Luft nach oben ist bei sehr vielen Spielern, auch im Umfeld und auch bei uns Trainern. Und wenn ich spüre, dass das ganz einfach etwas ist, was mich und uns weiterbringt, dann ist nie etwas ausgeschlossen.“

…über die Person Rene Swete und die Schiedsrichter-Entscheidungen gegen ihn: „Klar ist, dass er polarisiert. Er sagt seine Meinung. Das sind einfach Dinge, mit denen man umgehen muss. Ich finde einfach, dass die gestrige Situation mehr Fingerspitzengefühl verlangt hätte. Er hat jetzt vier gelbe Karten. Nimmt man die zwei Situationen dazu, wo er zu unrecht mit gelb verwarnt worden ist, dann ist das einfach eine Situation, die man ganz genau beobachten muss. Wir wissen, Rene ist einer, der sehr viel Emotionen am Platz hat. Klar ist er oft auch gut beraten, vor allem in der Rolle des Kapitäns, ein bisschen Spannung rauszunehmen. (…) Aber – und das möchte ich schon dazu sagen -, vielleicht ist ganz einfach durch die letzte Saison und auch durch diese Situationen, die heuer schon gegen ihn entschieden worden sind, ein Bild entstanden. Da muss man bei solchen Momenten ein bisschen genauer hinschauen und das ist das, was ich getan habe.“

…über Sturm Graz: „Sturm ist ein großer Verein, hat ein großes Anspruchsdenken und einfach ein extrem tolles, interessantes Umfeld, wo sehr viel möglich ist. Ja, ein geiler Verein.“

…über Nestor El Maestro und die Schwierigkeiten für Nicht-Profis im Trainergeschäft: „Wenn man solche Lebensläufe hört, dann ist das natürlich beeindruckend. Weil wenn jemand nicht selbst im Profibereich war, sich das anzueignen, sich einfach dort hinzuarbeiten, das ist einfach richtig harte Arbeit und das ist etwas, was man auch sehr respektvoll Wahrnehmen muss. Mein Werdegang war ein anderer. Mein Werdegang war, dass ich das Glück hatte, über sehr viele Jahre Fußball spielen zu dürfen.“

…über den Weg als Ex-Profi ins Trainergeschäft und seine persönliche Erfahrung als er 2013 interimistisch bei Sturm Graz einsprang: „Wir ehemaligen Fußballspieler haben halt oft auch das Thema, dass wir vielleicht früher in verantwortungsvolle Positionen kommen. Aber natürlich ist die Erwartungshaltung eine riesengroße. Und es gibt genug Beispiele, die einfach im ersten Moment wo hingreifen und das dann vielleicht nicht der richtige Moment ist. Ich war ja selbst in einer sehr schwierigen Situation in meiner damaligen Zeit in Graz. Es war ganz einfach der Moment, in dem man schwach wird und sagt: Okay, man möchte helfen, wo es nur geht. (…) Eineinhalb Jahre vorher bin ich in die Trainerrolle geschlüpft. Ich war kein ganzes Jahr U18-Trainer, habe eine unglaublich interessante Entwicklung mit der Mannschaft durchlaufen, durfte das gleiche bei den Amateuren durchlaufen. Es ist einfach richtig schnell gegangen. Man kann jetzt sagen: Ja, da ist die Chance – zugreifen! Oder man gibt sich vielleicht noch Zeit. Und für mich waren die letzten Jahren ganz wichtig und ich habe die Zeit bei den Amateuren unglaublich genutzt für mich und meine Weiterbildung.“

…über seinen ehemaligen Mitspieler Pep Guardiola: „Wenn man als Mitspieler schon was erkennen konnte, dann war es ganz einfach, dass Pep Guardiola als Spieler schon extrem viele Antworten auf unglaublich viele Fragen auf dem Spielfeld hatte. Dass die Karriere dann so verläuft, ist auf der einen Seite unglaublich. (…) Er hat sich schon sehr, sehr lange darauf vorbereitet. Ich glaube, dass er ganz einfach ein Trainer ist, der einen ganz klaren Plan, eine ganz klare Idee, eine ganz klare Philosophie hat, die er mit all seinen Möglichkeiten umsetzt.“

…über seinen ehemaligen Mitspieler Roberto Baggio und einen Vergleich zu Pep Guardiola: „Er hat diesen Weg des Trainers nie eingeschlagen, was für mich aber auch keine Überraschung war, weil er sich ganz anders mit dem Fußball auseinandergesetzt hat als Pep. Roberto war ein Genie, der uns einfach unglaublich viele zauberhafte Momente geschenkt hat. Der Unterschied zu Pep ist vielleicht einfach: Pep war schon als Spieler ganz einfach klar, sein Weg geht irgendwann mal auf die Trainerbank und sein Weg geht kerzengerade dort hin.“

Mirko Slomka (ehemaliger Trainerkollege von El Maestro und Ex-Trainer Hannover 96) in einem eingespielten Videobeitrag:

…über Nestor El Maestro: „Ich kenne viele besondere Leute, aber er ist – was jetzt den Fußballbereich angeht – schon ein sehr spezieller Typ. Aber es hat immer einen riesen Spaß gemacht. Also er ist ja auch nicht nur speziell oder extrovertiert, sondern er ist auch jemand, auf den man sich zu tausend Prozent verlassen kann. Wenn ich gesagt habe: ,Nestor, wir müssen das morgen so hinbekommen‘, dann hat er das gemacht und von mir aus auch ganze Nacht gearbeitet.“

…über El Maestros Auszucker in Mattersburg: „Jetzt steht er an der Front, da ist es natürlich viel auffälliger, wenn er mal – sagen wir – über die Stränge schlägt. Ich habe mit ihm natürlich am nächsten Tag telefoniert. Wir haben nach wie vor einen super Kontakt zueinander, wir sind ja auch enge Freunde geworden über die Jahre. Er ist schon emotional was das angeht, aber er war auch immer neben mir so der ruhende Pol und hat sich auf das Wesentliche konzentriert.“